
Klavierabend Eddie Myunghyun Kim 31.3.2026
C. Schumann – 4 Pièces fugitives, Op. 15
Dieses Werk aus dem Jahr 1845 entstand in einer Phase künstlerischer Reife von Clara Schumann. Die vier Charakterstücke zeichnen sich durch eine raffinierte harmonische Führung und eine lyrische Melodik aus. Obwohl der musikalische Einfluss ihres Ehemannes Robert Schumann spürbar ist, zeugen die Stücke von einer eigenständigen Pianistik und strukturellen Klarheit. Als bedeutendes Zeugnis weiblicher Kompositionskunst des 19. Jahrhunderts verbinden sie klassische Formstrenge mit den progressiven harmonischen Tendenzen ihrer Zeit.
R. Schumann – Carnaval, Op. 9
Der 1835 vollendete Zyklus besteht aus 21 kurzen Stücken, die organisch miteinander verbunden sind. Inspiriert wurde das Werk maßgeblich durch die Maskenball-Szene aus Jean Pauls Roman „Flegeljahre“. Schumann nutzt das musikalische Chiffre „A-S-C-H“ (die Buchstaben der Geburtsstadt seiner damaligen Verlobten) als zentrales Motiv. Er vertont darin sowohl literarische Gestalten als auch seine eigenen fiktiven Alter Egos, Florestan und Eusebius, sowie Zeitgenossen wie Chopin und Paganini. Das Werk gilt als ein Meilenstein der romantischen Programmmusik.
Dong-Myung Kim – Paradox of Reflection for Piano (2026)(Uraufführung)
Dieses Werk entstand auf der Grundlage von Inspirationen, die durch die jüngste Begegnung mit verschiedenen Kunstwerken gewonnen wurden. Die Schönheit, die durch Ausgewogenheit und Symmetrie entsteht, sowie die handwerkliche Präzision, die in raffinierten Strukturen spürbar ist, führten zu einem vertieften Interesse an präzisen Konstruktionen. Zu diesem Zweck wurde die exakte Halbierung der 88 Klaviertasten zur Bildung einer symmetrischen Struktur als Ausgangspunkt der Komposition festgelegt, wobei dieses Prinzip in den Tönen, dem Rhythmus und der gesamten Struktur konsequent umgesetzt wurde. Im Kompositionsprozess wurde jedoch deutlich, dass musikalische Symmetrie und Ausgewogenheit über rein visuelle Aspekte hinausgehen und ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren wie Klangenergie, Dichte sowie Spannung und Entspannung darstellen. Die Antwort darauf liegt möglicherweise im Klang selbst und findet erst durch den Interpreten auf der Bühne ihre Vollendung.
A. Scriabin – Klaviersonate Nr. 2 in gis-Moll, Op. 19
Diese Sonate, auch bekannt als „Sonate-Fantaisie“, entstand zwischen 1892 und 1897. Sie markiert eine Übergangsphase, in der Scrabins früher, von Chopin beeinflusster Stil auf seine spätere, mystische Harmonik trifft. Das zweisätzige Werk kontrastiert im ersten Satz (Andante) eine lyrische, fantasieartige Entfaltung mit einem stürmischen, unaufhörlichen Rhythmus im zweiten Satz (Presto). Inspiriert von Scriabins Seereisen, verbindet die Sonate die traditionelle Sonatenform mit einer freien, visionären Struktur.
A. Scriabin – Klaviersonate Nr. 5, Op. 53
Die 1907 komponierte einsätzige Sonate stellt einen radikalen Wendepunkt dar, an dem Scriabin das traditionelle Tonsystem verlässt und sich der „mystischen Harmonik“ zuwendet. Das Werk entstand unmittelbar nach der Sinfonie „Le Poème de l’extase“ und teilt deren weltanschaulichen Hintergrund. Durch extreme Dynamik und komplexe Polyrhythmik erzeugt die Musik eine beispiellose energetische Spannung. Diese Sonate ist ein monumentales Werk der Moderne, das die Auflösung der Tonalität und die Etablierung einer neuen klanglichen Ordnung demonstriert.